Stimmen aus dem Dunkel:
Legenden
neue Live-Hörspiele
- Aufführungen im April 2026
- in Fürth und Nürnberg
- 4 Geschichten, 5 Spielorte
- 4 Jahrhunderte, 4 AutorInnen

Legenden
Was haben Parzival und das “Wassergespenst von Harrowby Hall” gemeinsam? Was verbindet Meister Franz Schmidt aus dem mittelalterlichen Nürnberg mit den mysteriösen walisischen “Canwyll Corff”?
Sie alle sind “Legenden”. Unter diesem Titel stellt LightsDownLow vier neue Live-Hörspiele aus vier verschiedenen Jahrhunderten und den Federn von vier seiner AutorInnen vor.
Einmal mehr erwecken die Sprecher auf der Bühne des verdunkelten Saals die Charaktere zum Leben und führen die Zuschauer durch teils komische, teils gruselige und teils nachdenkliche Geschichten. Unterstützt werden sie dabei von einer komplexen Geräuschkulisse, die das “Kino im Kopf” der Zuhörer vervollständigt.
Wie schon im Jahr zuvor geht LightsDownLow mit seiner Produktion auf eine kleine “Welttournee”. Ganz egal wann und mit welchen Mitteln steht die Arbeit des Künstlerkollektivs aber immer unter einem Motto: “Gute Geschichten zu erzählen”.
Spieldauer ca. 90 Minuten.
Die Preise variieren je nach Aufführungsort.
Die Geschichten
- Buch: Verena Maser | Regie: Stefanie Hahn | Regieassistenz: Tom Wende
Ein Superstar zieht in ein verschlafenes walisisches Örtchen und sorgt dort für Kopfzerbrechen.
Croeso i Gymru! (Willkommen in Wales)
Wales (Eigenname Cymru – “kömri”) liegt im Westen der Insel Großbritannien und gehört zum Vereinten Königreich. Die Hauptstadt ist Cardiff / Caerdydd. In Wales leben ca. 3,1 Millionen Menschen. Amtssprachen sind Walisisch und Englisch, wobei ersteres von ca. 18% der Bevölkerung gesprochen wird.
Wales verfügt über eine lange eigenständige Kulturgeschichte. Eine frühe historische Zäsur stellte die Eroberung des Landes durch den englischen König Edward I. zwischen 1276 und 1283 dar. Wales wurde zum Fürstentum unter englischer Herrschaft degradiert, der Sohn von Edward I., der spätere Edward II., als erster Nicht-Waliser zum “Prince of Wales” (d.h. “Fürst von Wales”) ernannt. Der heutige König Charles III. war der erste nicht-walisische Prince of Wales, der sich die Mühe machte, Walisisch zu lernen. Trotzdem steht man in Wales dem Königshaus heute oft gleichgültig bis skeptisch gegenüber. Man ist stolz auf die eigene Sprache und Identität.
Das Verhältnis zwischen Wales und England war immer angespannt. Obwohl das britische Empire seine Stärke nicht zuletzt dem Schiefer und der Kohle verdankte, die in Wales abgebaut wurden, blieb der Landesteil arm. Für den Zusammenhalt der Bevölkerung sorgte nicht zuletzt das Walisische, erkennbar am trotzigen Slogan “yma o hyd” – “immer noch da”. Eine zentrale Rolle dabei spielt das Eisteddfod (“sitzen und sein”), im weitesten Sinne ein Fest für walisische Sprache und Kultur. Kleine Regionalausgaben finden regelmäßig im ganzen Land statt, der Höhepunkt ist aber das jährliche nationale Eisteddfod im Sommer. Zu gleichen Teilen Dichterwettbewerb, Messe, Kunstausstellung, Campingurlaub, Fernsehgarten und Festival (und so viel mehr) findet es jährlich eine Woche lang im August statt, immer an einem anderen Ort. Seit 1982 gibt es mit S4C außerdem einen walisischsprachigen Fernsehsender, auf dem es von Nachrichten bis zu Datingshows, Soaps und Fernsehgottesdiensten (fast) alles zu sehen gibt. Engländer:innen behaupten übrigens gerne, wenn sie in Wales in einen Pub gingen, sprächen plötzlich alle Walisisch, damit die Engländer:innen nichts mehr verstünden. Dem ist natürlich nicht so.
Erst in jüngster Zeit konnte sich Wales ein Stück politische Selbstbestimmung zurückerobern. Seit 1999 wählt es sein eigenes Parlament, den Senedd. Viele Probleme sind geblieben. Eines der prominentesten der letzten Jahre: viele Engländer:innen kaufen in Wales (Sommer-)Ferienhäuser, die dann den Rest des Jahres leerstehen und die sowieso angespannte Lage am Wohnungsmarkt verschärfen. Und von den Engländer:innen, die dauerhaft nach Wales ziehen, machen sich längst nicht alle die Mühe, Walisisch zu lernen und die lokale Kultur kennenzulernen. Auch die Wirtschaft schwächelt, viele Läden im ganzen Land stehen leer. Rund 20% der Bevölkerung lebt in Armut, gerade auch viele Kinder.
Vor der anstehenden Senedd-Wahl am 7. Mai 2026 versucht vor allem die populistische Partei Reform UK von Nigel Farage, aus der Situation Profit zu schlagen. Unterdessen kämpft die Labour-Partei, die seit 1922 bei jeder Wahl in Wales die Stimmmehrheit hatte, ums politische Überleben. Einige Umfragen haben ihr bereits weniger als zehn Sitze prognostiziert. Favoritin für den Sieg ist hingegen die Mitte-links-Partei Plaid Cymru (“Wales-Partei”) unter Rhun ap Iorwerth. Die walisischen Nationalisten fordern u.a., dass die walisischen Besitztümer des Königshauses an Wales zurückübertragen werden.
Übrigens: Bei unseren Legenden hören Sie live eine der inoffiziellen walisischen Nationalhymnen: Sosban fach (“kleine Kasserole”) ist ein Volkslied über einen chaotischen Haushalt. Es wird leidenschaftlich gerne beim Rugby gesungen.
Die Autorin von „Hinterland“ – Verena Maser
- Buch: Tom Wende | Regie: Stefanie Hahn
Wir befinden uns in der frühen Neuzeit. Der Nürnberger Henker Frantz Schmidt lebt in einer toxischen Beziehung mit seiner Frau Maria. Die Situation eskaliert immer mehr, bis schließlich…
Was zum Henker?
Was ist das für eine Geschichte? Der Nürnberger Henker der frühen Neuzeit Frantz Schmidt lebt in einer toxischen Beziehung mit seiner Ehefrau Maria Peck und ist gestresst von den Aufgaben, die ihm aufgetragen sind. Eine Geschichte über toxische Beziehungen, Menschen, die einfach in der falschen Zeit geboren sind, Work-Life-Balance und Determiniertheit. Das ist doch völlig frei erfunden, mögen Sie sagen und da sage ich: Sie haben Recht!… naja, fast.
Wie die Beziehung unseres Helden zu seiner Frau war, wissen wir natürlich nicht und werden es auch nie erfahren. Wir wissen nur, dass es sie gegeben hat, dass sie für ihn ihre Bürgerlichkeit aufgegeben hat, dass sie mindestens 2 ihrer Kinder beerdigen musste und dass sie einige Jahre vor ihm gestorben ist – vermutlich nicht an Leberzirrhose.
Was war also real und was habe ich erfunden? Finden wir es heraus:
War er in seinem Henkersberuf gestresst?
Er hat in seinen 40 Jahren Tätigkeit als Nachrichter (Henker) ca. 380 Menschen ins Jenseits befördert und nochmal so viele gefoltert. Dagegen wird geschätzt, dass er circa 15.000 Menschen von Krankheiten geheilt hat. Wenn man das mal auf seine Amtszeit mittelt, waren das weniger als ein Getöteter und ein Gefolterter pro Monat. Er war städtischer Beamter und ohne den städtischen Beamten jetzt zu Nahe treten zu wollen: Bei manchmal nur 4 Hinrichtungen und Folterungen pro Jahr, blieb ihm wahrscheinlich noch sehr viel Zeit für seine medizinischen Forschungen. Es wurde ihm sogar ab 1578 vom Nürnberger Rat erlaubt, Getötete zu sezieren („enthauptete Körper schneiden“) und sich damit medizinische Kenntnisse anzueignen.
Wie wird man Henker?
Das ist so ein bisschen gemein. Zumeist wurden Henker einfach bestimmt. Frantzens Vater beispielsweise war eigentlich Bürger und von Beruf Jäger in Hof und weil eben kein Henker zur Hand, aber ein paar Todesstrafen zu verrichten waren, kam der Markgraf Albrecht II einfach auf die Idee, dass wer Tiere umbringt ja auch Menschen umbringen kann. Und zack!
Als Henker ist man automatisch ehrlos samt Familie, was dazu führte, dass für Frantz nicht so viele beruflichen Möglichkeiten blieben, außer das Henkeramt von seinem Vater zu erben.
Gab es Elisabeth – die welsche (falsche) Doktorin, die die Männer verhext?
Ja, ich habe das Tagebuch von Frantz akribisch durchforstet, um eine Wiederholungstäterin zu finden. Tatsächlich wurde die echte Elisabeth bezichtigt, 28 Ehemänner gehabt zu haben. Allerdings wurden in Nürnberg so gut wie keine Frauen als Hexen verbrannt- das habe ich erfunden- sie wurde einmal mit „Ruthen aus der Stadt gestrichten“ (aus der Stadt gepeitscht mit Baumästen), dann an den Pranger gestellt und bei einer weiteren Tat wieder mit Ruthen ausgestrichen.
Wo ich gelogen habe:
Manchmal ist die Realität unglaublicher als die Fiktion. Bei meinen Recherchen habe ich gelesen, dass Frantz als städtischer Beamter und Familie eine 140 Quadrarmeterwohnung im Nürnberger Henkerhaus zwischen dem Siechenhaus im Weinstadel (heute ein Studentenwohnheim) und den städtischen Schweineställen am Unschlittplatz bewohnt haben. Das habe ich der Glaubwürdigkeit halber auf 100 reduziert.
Auch hat er schon lange angefangen ganz offiziell als Heiler zu arbeiten, während er noch das Henkeramt ausgeübt hat. Das hat mir allerdings keiner meiner Lektoren geglaubt. Er wurde um 1593 schon bürgerlich (da hat auch Maria noch gelebt, sie starb im März 1600) aber erst um 1624 vom Kaiser in Wien (das konnte nur der) von seinen Sünden freigesprochen und damit vollständig rehabilitiert. Das Henkeramt hat er im Juli 1618 an den Nagel gehängt. 1626 ist er in das viel schönere und bestimmt wohlriechendere Haus in der oberen Wöhrdstraße 10 umgezogen, wo er dann am 14.6.1634 gestorben ist. Hier habe ich mit den Zeiten ziemlich zugunsten meiner Story geflunkert- Tschuldigung.
Der Autor von „Toxisch“ – Tom Wende
Alle Informationen habe ich aus dem exzellenten Buch Hinrichtungen und Leibstrafen des Geschichte für alle e.V. und der TerraX-Dokumentation „Ein Tag in Nürnberg 1593“
- Buch: Elmar Vogt | Regie: Elmar Vogt | Co-Regie: Pia Winkler
Das Epos von Wolfram von Eschenbach, Vorlage für eine von Richard Wagners bekanntesten Opern, neu erzählt als mittelalterliches Live-Hörspiel.
Eines der bekanntesten und gleichzeitig am wenigsten gelesenen Werke der deutschen Literatur ist das mittelalterliche Vers-Epos “Parzival”. Mit ca. 25.000 Zeilen eignet es sich nicht gerade für die Zwischendurchlektüre (das ist ungefähr das Vierfache eines fünfaktigen Dramas von Schiller oder Shakespeare), und selbst Richard Wagner, Autor der Librettistenfibel “In der Kürze liegt die Würze”, hat es nicht geschafft, die Story in weniger als viereinhalb Stunden unterzubringen.
Aber was ist denn eigentlich Parzivals Geschichte, und kann man sie doch so komprimieren, dass sie in einen entspannten Hörspielabend passt? Das war die Frage, die am Anfang unserer dritten Episode stand.
In der Tat, wenn man sich ein wenig näher mit dem Buch befasst, stellt man verwundert fest, dass Wolfram von Eschenbach viel darin aufgenommen hat, das nach modernen dramatischen Standards unnötig oder sogar störend ist. Die Figur des “Fischerkönigs” und die Motivationen vieler Figuren wollen sich einem modernen Leser nur schwer erschließen.
Aber genau dieses Rätselhafte habe ich bei der Nachdichtung des Textes als Herausforderung genommen. Spaß an der Sprache und der Komposition von Blankversen stand für mich als Autor vor subtiler Charakterisierung im Vordergrund, ebenso wie ich als Regisseur mehr Wert auf eine stilisierte Darstellung als auf einen hyperrealistischen Soundteppich gelegt habe. Und so nehmen wir euch nun eine halbe Stunde in das hohe Mittelalter von Minne, Gral und Aventiure mit.
P.S. – Die Phrase “ein Fremder in einer fremden Welt” habe ich unbewusst von dem SF-Autoren R. A. Heinlein geborgt, der, ohne dass ich es gewusst hätte, so seine eigene Interpretation des “Parzival” betitelt hat. Literatur schlägt seltsame Bögen.
Der Autor von „Parzival“ – Elmar Vogt
- Buch: Pia Winkler | Regie: Tom Wende
Viktorianischer Spuk nach einer Erzählung von John Kendrick Bangs.
Unsere Faszination für Geistergeschichten ist bestimmt so alt wie die Menschheit selbst, In der Literatur erscheinen Geister- oder Spukgeschichten bereits bei Homer oder in der Bibel. In Shakespeares „Hamlet“ mahnt der Geist des Vaters zur Rache und stößt somit den unausweichlichen Lauf der Tragödie an. Der Flaschengeist aus 1001 Nacht dagegen lässt sich relativ leicht austricksen und bezähmen. Im 19. Jahrhundert erlebten Geschichten über Grusel, Spuk und Unerklärliches eine regelrechte Hochkonjunktur, mit berühmten Werken wie „Dracula“, „Frankenstein“ oder den Werken von E. A. Poe oder E.T.A. Hoffmann.
Woran lag das? Man könnte doch meinen, dass Aufklärung und technischer Fortschritt dem Aberglauben und der Angst vor dem Übernatürlichen trotzen würden! Tatsächlich gediehen Gruselgeschichten gerade deswegen, als Gegenbewegung zu einer technischeren, geheimnisärmeren Welt. Der Unterschied zu früheren Erzählungen besteht darin, dass man im 19. Jahrhundert in der Regel nicht mehr an Geister glaubte.
Gespenstergeschichten wurden eindeutig in der phantastischen Literatur verankert,
wodurch ein viel größerer kreativer Freiraum geschaffen wurde. Und das Gruseln macht und doch bis heute viel mehr Spaß, da wir nicht wirklich befürchten müssen, von einer Geistererscheinung ins Verderben gestürzt zu werden…
Der Amerikaner John Kendrick Bangs (1862 – 1922), Autor von „Das Wassergespenst von Harrowby Hall“ war allerdings kein typischer Vertreter der Schauerliteratur. Er war einer der bekanntesten Humoristen und Satiriker seiner Zeit, und seine Spukgeschichten unterscheiden sich im Ton sehr von seinen düsteren viktorianischen Kollegen.
Ich kenne die Geschichte vom „Wassergespenst“ schon von Kindheit an – ich war ein Paradebeispiel für die These, dass Kinder sich gern gruseln! Sie zu bearbeiten und in ein Hörspiel zu verwandeln war ein großes Vergnügen für mich.
Die Autorin von „Das Wassergespenst von Harrowby Hall“ – Pia Winkler
Eindrücke



